Eskaliert

Uiuiui, die Vorbereitungen für den Adventskaffee laufen und jeden Tag dekoriere ich ein bisschen in der Wohnung weiter.

Sagen wir so: Es wird sehr rot. Und wenn ich ein Hang zu Blinklichtern hätte, könnte es ein wenig mehr eskalieren. So ist es einfach nur sehr rot.

Selbstheilung

Während ich mit Petrolgrau im wunderbaren Naschmarkt sitze und mit ihr quatsche und quatsche und esse und quatsche, zücke ich kurz mein Handy. Eigentlich wollte ich nur eine Liste angucken, da sehe ich einen Anruf in Abwesenheit. Das ist nicht total selten, denn immerhin ist mein Handy eigentlich immer auf lautlos, sodass ich Anrufe selten direkt mitbekomme. Vielleicht ist es die eine Auftraggeberin, die sich weigert meine Festnetznummer zu benutzen. Ich gucke nach und denke: „Oh, Mist.“ Die Nummer hat eine städtische Basis. Das kann eigentlich nur die Schule sein. Ich rufe direkt* zurück.

„Dem midi-monsieur geht es nicht gut.“
„Okay, und wo ist er jetzt?“
„Erstmal in der Klasse. Das war ja schon vor einer Weile.“
„Ich bin in der Stadt. Ich brauche einen Moment, bis ich ihn abholen kann.“
„In Ordnung. Ich sage ihm Bescheid.“

Nach dem Auflegen fällt mir ein, dass er ja einen Schlüssel im Ranzen hat. Ich rufe nochmal an.

„Guten Tag, ich nochmal. Die Mutter vom midi-monsieur. Schicken Sie ihn doch bitte direkt nach Hause. Er hat einen Schlüsel und sagen Sie ihm bitte, dass er mich anrufen soll, sobald er zu Hause ist.“
„In Ordnung.“

Ich überlege, ob ich jetzt wirklich überstürzt aufbrechen soll. Aber den Tee trinke ich jetzt doch erstmal aus. Das Handy liegt jetzt erstmal auf dem Tisch. Gut so, denn 10 Minuten später werde ich wieder angerufen.

„Ja, hallo. Hier nochmal die Schule. Ich finde den midi-monsieur nicht. Der hätte jetzt** eigentlich LRS-Unterricht. Aber die Lehrkraft ist heute krank. Laut Plan fällt die Stunde aber nicht aus, aber wo die Kinder Vertretung haben, weiß ich auch nicht. Ich warte jetzt ab, ob er sich nach dem Unterricht nochmal bei mir meldet.“
„Gut, dann warte ich das erstmal ab. Und frage später im Hort nach.“

Petrolgrau und ich quatschen erstmal weiter. Jetzt nach Hause zu fahren macht irgendwie keinen Sinn. Nach einer Weile*** rufe ich im Hort an.

„Hallo, hier die Mama vom midi-monsieur. Ist der im Hort?“
„Hallo. Ja, der ist da.“
„Oh gut. Ich wurde von der Schule angerufen, dass es ihm nicht gut ginge.“
„Davon hat er gar nichts gesagt. Ich such ihn mal. Dann können Sie ihn fragen.“
Der midi-monsieur übernimmt das Telefon.
„Hallo midi-monsieur. Wie geht es Dir?“
„Gut“, antwortet er mir etwas erstaunt.
„Aber die Schule hat angerufen, dass es Dir nicht gut ging.“
„Ach so, ja. Ja, jetzt geht es mir besser.“
„Aber was war denn?“
„ahsaoihe öowuaef“, er flüstert was Unverständliches.
„Was?“
„Mama, ich hatte Bauchschmerzen, weil ich auf Klo musste.“
„Ach so und jetzt?“
„Jetzt war ich.“
„Und jetzt ist es besser?“
„Ja, schon besser. Allerdings tut es ein bisschen weh. Aber ich glaube, weil ich zu viel gegessen haben.“
Ich schmunzel. „Aber willst du jetzt erstmal im Hort bleiben?“
„Jaja, mir geht’s ja gut.““Gut, dann bis später.“

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* naja, also direkt nach dem Sehen, aber halt 25 Minuten nach dem Anruf
** 6. Stunde
*** 45 Minuten nach dem letzten Telefonat mit der Schule

Dein Leben

„Mama, darf ich dich was fragen?!“, kommt vom midi-monsieur, als er gerade die erste Sprosse von seinem Hochbett erklommen hat.
„Ja, klar.“
„Bist du verliebt?“
„Nein“, und ich bin froh, dass ich ehrlich antworten kann. „Wie kommst du darauf?“
„Nur so“, grinst er.
„‚Nur so‘?! Bist du sicher?“
„Ja, das war halt so ein Gefühl.“
„Okay“, das Thema hatten wir ja noch nie, also nehme ich den Faden auf. „Und wie fändest du es, wenn ich mich verlieben würde?“
„Das ist mir egal, Mama. Das ist ja dein Leben.“
„Naja, aber du bist ja auch ein Teil von meinem Leben. Wenn ich mich verlieben würde ginge dich das ja auch was an.“
„Hmmm, komisch wäre das schon. Vielleicht.“

Nun denn, wenigstens haben wir schon mal drüber gesprochen.

Lernfähig

Die letzte Woche war schon komisch. Neben der Genervtheit steigerte sich von Tag zu Tag noch ein weiteres Gefühl, das ich gerne und unbedingt weit von mir schieben wollte. Aber wie das so ist mit Gefühlen: Je mehr man gegen ankämpft, desto intensiver schlimmer werden sie. Ich kann gar nicht sagen, wie mich das nervt. Und wie ich mich selbst damit nerven kann.

Ich hätte mich auch noch eine Weile selbst nerven können. Das kann ich prima. Allerdings weiß ich mittlerweile auch, dass meine Konzentration und Arbeitsmotivation sehr darunter leiden kann. Außerdem war ich ja, ich erwähnte es schon, genervt.

Aber mit nun fast 40 kenne ich mich ja zum Glück recht gut, sodass ich wusste: Wenn mir was hilft, dann ist es Bewegung. Das Wetter hat zwar nach Fahrrad geschrien, aber es ist zeitintensiver als Spazierengehen. Also guckte ich nach ein kleinen Route, schnürte die Wanderschuhe und ging los.

Das tat nicht nur gut, sondern klärte den Kopf und war auch so ganz aufschlussreich. Ich brach aus Gründen die die geplante Tour ab und hatte dann zu Hause noch einen kurzen erhellenden Moment, der viel zur weiteren Klärung beitrug.

Jetzt geht’s mir wieder gut.

Backwahn (4)

So, es ist vollbracht. Alle geplanten Kekse sind gebacken.

Gestern nutzte ich die wieder eingekehrte Ruhe. Zunächst finalisierte ich die Nussecken:img_20161126_105646.jpgDann kümmerte ich mich um einen gekühlten Teig. Der wollte noch gebacken und belegt werden.

Florentiner Plätzchen

Florentiner Plätzchen

Kaum war der Kv aus dem Haus, war der midi-monsieur wieder so genesen, dass er un.be.dingt auch Kekse machen wollte: seine Lieblingssorte.

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Saure-Sahne-Kringel

Abends wollte ich eigentlich nicht mehr backen, aber dann schmierte die Mayonaise ab und ich hatte so zwei Eigelb in Öl. Also machte ich doch noch die eh geplanten weihnachtlichen Brownies.img_20161127_060916.jpgUnd weil ich dann doch im Flow war, kümmerte ich mich noch eine Sorte, dessen Teig bereits seit Donnerstag kühlte. Sehr aufwändig, denn das Resultat waren vier gefüllte Rollen, die wieder kühlen mussten. Und als ich heute Nacht nicht schlafen konnte, habe ich die gekühlen Rollen dann noch mit Eiweiß bestrichen und Mandeln draufgepappt. So konnte ich sie dann heute backen.

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Linzer Schnecken

Und weil der Ofen warm war und ich auch endlich mal fertig werden wollte, setzte ich den allerletzten Teig an.

Ingwer-Kakao-Blätter

Ingwer-Kakao-Blätter

Und verarbeitete dann noch schnell (haha) den allerletzten Teig, der schon seit Donnerstag kühlte.

Zimtbäumchen (ohne Stamm)

Zimtbäumchen (ohne Stamm)

Jetzt werden die Kekse zwei Wochen ausharren, bis sie verzehrt werden. Ich werde es bis dahin wohl nicht machen, denn ICH kann jetzt erstmal keine Kekse mehr sehen.

Können können

Ich war die letzten Tag sehr genervt. Doch so ganz konnte ich nicht fassen, warum.

Sicherlich war es ein Lagerkoller. Immerhin war der Kv dieses Mal für 9 Tage da. Außerdem kam er an dem Tag, an dem es vor zwei Jahren eskalierte und irgendwie war ich schon angespannt. So unterbewusst.

Der Kv hat sich eigentlich recht gut eingefügt, aber er war laut. Sehr laut. Sobald er auf den Beinen war, war er zu hören. Und wenn er mit dem midi-monsieur beschäftigt war, war er noch ein bisschen lauter. Das hat mich sehrsehr angestrengt. Zumal ich weiß, dass dieses Verhalten bei ihm mit Stress zu tun hat.

Dass der midi-monsieur krank wurde, war auch nicht so prickelnd. Zum einen, weil ich mir Sorgen machte. Dieses blöde Gekotze nimmt so einen mittelgroßen Wurm ja doch ganz schön mit. Zum anderen war das Verhalten vom Kv teilweise nur schwer zu ertragen. Da wurde das Kind direkt nach dem Kotzen fast genötigt, etwas zu essen. Das Kind durfte sich nicht in Ruhe auf dem Sofa austrecken, weil der Kv ihm nah sein wollte (obwohl das Kind nur seine Ruhe wollte). Und es wurde die Nachbarin der französischen Oma angerufen, damit sie per Telefon die Würmer aus dem Kind spricht. Ja, ihr lest richtig. Die Kotzerei würde von Würmern verursacht, die besonders bei Springflut aktiv sind. Nunja, wir wohnen nicht am Meer und der Mond stand nun auch nicht entsprechend. Aber da wird dran geglaubt. Nicht an Gott glauben, aber an Schamanen. Geholfen hat das natürlich nicht. Ich tippe auf Rotaviren.

Ein „Problem“ war auch, dass der midi-monsieur durch die Krankheit sehr auf mich fixiert war (verdenken kann ich es ihm ja nicht, da ich mich bemüht habe, nicht am ihm rumzuzusseln, sondern für ihn da zu sein, wenn er das wollte). So hatte ich schon ein schweres Herz, als ich am Mittwoch früh los auf Dienstreise musste und der midi-monsieur sehr leise und wimmernd darum bat, dass ich doch bitte bliebe. Wäre der Kv nicht da gewesen, wäre ich das auch. Die folgenden Tage durfte ich mich nur wenig wegbewegen. Und schlafen wollte er auch nur bei mir im Bett.

Und ich?! Ich war irgendwie noch eingenommen vom Sonntag. Und diesem Gefühl, einfach was für mich machen zu können, weil da halt der Kv ist. Aber das war für den Rest der Woche nicht mehr möglich. Und das war vermutlich das, was mich am meisten genervt hat: Da könnte ich können und dann kann ich doch nicht. Mal abgesehen von diversern Umständen, die das Können eh schon verkompliziert hätten.

Und irgendwie ist es ja doof, mich darüber zu ärgern und reinzusteigern, denn wenn ich allein alleinerziehend bin, dann kann ich ja auch nicht. Aber dann habe ich auch keinen anderen Erwachsenen Kv in der Wohnung rumspuken.

Heute geht es schon wieder besser.