Respekt

Huiii, gestern am späten Nachmittag verabschiedete sich von jetzt auf gleich mein Kreislauf. Es ging gar nichts mehr. Zunächst schlief ich auf dem Sofa ein. Doch die halbe Stunde reichte nicht. Ich schleppte mich in mein Bett, naja, ich fiel quer rein und war weg. Bei Aufwachen gut zwei Stunden später fühlte es sich an wie ein Ohnmachts-Schlaf-Mix. Aber mir ging es besser.

Ja, die Hitze und ich: Ich mag das Wetter tatsächlich sehr gern, aber ich vertrage es einfach nur sehr bedingt. Wenn dann noch (zu) wenig trinken und noch weniger essen hinzukommen, hält es mich nicht mehr auf den Beinen. Den letzten Rest hatte mir gestern wohl auch der Friseurbesuch gegeben: Die Blondierung hat mir diesmal sehr zugesetzt.

Und nachdem ich gestern so hinüber war, hatte ich vor dem heutigen Tag ziemlichen Respekt: Es sollte noch heißer werden und ich hatte der jüngsten Ex-Mitbewohnerin zugesagt, ihr beim Umzug zu helfen aka Kisten aus dem Auto in die Wohnung im 2. (zum Glück nicht Altbau-) OG zu schleppen.

Aber es ging alles gut. Ich muss mich mit knapp vierzig nicht mehr beweisen, indem ich die schwersten Kisten schleppe, habe mich immer wieder brav hingeseetzt und viel getrunken. Problematisch war dennoch eins:

Nachbarschaftsplüsch

Als ich heute morgen im BalkonOffice arbeitete, war es wegen früh und überhaupt schon sehr idyllisch schwer, sich zu konzentrieren. Doch dann das:

Da ging dann erstmal gar nichts mehr

Es war allerdings sehr schnell, deswegen nur ein paar Fotos:

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Rollenmodell

Der midi-monsieur und ich waren heute mit dem Rad unterwegs. Allerdings zickte sein Rad seit einem kleinen Sturz am Montag etwa rum. Von den drei Gängen waren nur zwei verfügbar. Ich wollte mir das eigentlich schon am Dienstag angucken, aber die letzten Tag kam ich vor lauter komischen Kunden zu nix.

Während der Fahrt also bemerkte das Kind, dass die Gangschlatung immer noch nicht richtig funktionierte. Hmm, Nabenschaltung ist jetzt nicht mein Fachgebiet und ich wollte es eigentlich nicht verschlimmbessern. Trotzdem guckte ich bei einem Ampelhalt mal kurz aufs „Schaltauge“. Da sah ich, dass der Bowdenzug sich etwas verkantet hatte. Ich wackelte also gewissermaßen am Kabel. Mehr konnte ich in dem Moment nicht machen, den die Ampel war schon wieder grün.

Aber wie es scheint habe ich magische Hände: Die Schaltung ging wieder. Das Kind war höchst erfreut und meinte: „Danke, Mama. Toll, was Du alles kannst.“

Auf dem Rückweg dann passierte mein „Lieblingsraddisaster“: Die Kette vom midi-monsieur’schen Rad sprang ab. Und zwar vorne und hinten. Natürlich hat er einen Kettenschutz und natürlich hatte ich kein Werkzeug. Also friemelte ich und friemelte und friemelte und machte mir die Hände ganz schwarz. Aber die Kette saß wieder und wir konnten weiter. Wieder strahlte mich mein Kind an.

Ja, ich finde es gut, dass mein Kind so lernt, dass Frauen „auch“ reparieren können. Er weiß ja auch, dass ich mit einer Bohrmaschine umgehen kann. Er weiß aber auch, dass ich kochen und backen kann. Dass ich aufräumen, putzen und Wäsche waschen kann.

Und ein bisschen beschleicht mich die Angst, dass er lernt „Mama, macht und kann alles (immer)“. Und ob es gut ist, dass ich ihm das Gefühl vermittel, dass Frauen Männer für nichts wirklich brauchen, bin ich mir auch nicht sicher.

Nicht euer Ernst, Jungs

Ungefähr 95 Prozent des Jahres denke ich: „Was soll ich mit einem Mann an meiner Seite?!“ Also so einem richtigen Partner, der womöglich auch bei mir wohnt. Oder wir zusammen. So muss es wohl richtiger heißen. Aber da fängt ja schon die Krux an: Ich will nicht ausziehen. Also müsste hier wer einziehen – also rein theoretisch. Dann müssten wir womöglich irgendwelche Kompromisse finden. Und überhaupt

Doch dann habe ich meine umnebelten (Hormone, Chemtrails, Wetter – wer weiß das schon) 18 Tage im Jahr (verteilt), an denen ich denke: „Ach, so’n Typ, wäre doch ganz nett.“ Und dann komme ich ins Grübeln, wo ich armearme Alleinerziehende, die niemals aus dem Haus kommt, denn überhaupt Männer kennenlernen kann. Und dann komme ich auf die Schnapsidee, es online zu versuchen (den Ex und den Kv habe ich auch online kennengelernt, wenn auch nicht über irgendwelche Partnerbörsen). Und dann melde ich mich auf irgendeiner dieser drölfzig Plattformen an und bin eigentlich schon in dem Moment genervt, in dem ich was über mich schreiben soll oder so einen blöden Fragebogen ausfüllen muss. Aber gut, manchmal bin ich ja eisern und wenn 5-Prozent-Alarm ist, ziehe ich das durch (bezahlt habe ich aber bislang noch nie, da war ich dann rechzeitig wieder bei Verstand).

Und dann hänge ich da drin und scrolle durch irgendwelche Matches und fühle schon, wie das 95-Prozent-Gefühl in mir hochsteigt. Zumal ich match ja immer (als erstes) mit Streichholz übersetze. Und ja, ich bin kurz davor was anzuzünden bei dem, was sich mir da bietet und denke: „Melde Dich da sofort wieder ab. SOFORT!“ Aber ich kann nicht, einen Moment lang muss ich mir das Drama angucken. Ich fühle mich wie eine Katastrophentouristin.

Denn mal ganz unter uns, Jungs: Die allerallermeisten Bilder sind wirklich grottig: unscharf (auf allen Ebenen), mit irgendwelchen Frauen im Arm, abgeschnitten, Selfie im Badezimmerspiegel oder aber total Partnerbörsen-optimiert – meist vom Fotografen. Und hier und da bin ich versucht zu kommentieren: „Wenn du mal so alt wirst, wie Du auf dem Bild aussiehst, hast Du echt Glück.“ Beliebt sind auch schräge Winkel. Neinneinnein, Bilder von oben sehen komisch aus und von unten erst recht. Und nein, mich beeindruckt es auch nicht, wenn ich da Millionen Bilder sehe, auf denen die Typen mit Haien, auf dem Tafelberg, im Sonnenuntergang an der Golffahne, neben Eisbären oder halt auf ihren Hobeln posen.

Apropos Hobel: Das ist ja eh ein absolutes K.O.-Kriterium (neben einigen anderen). Ich möchte keinen Motorradfahrer an meiner Seite habe. Und ich bin echt verwundert, wie viele Männer in Partnerbörsen eben diesem Hobby frönen …

… obwohl, wenn ich so darüber nachdenke: Vielleicht ist genau das der Grund.😉 Denkt mal drüber nach.

Wortwahl

Wörter sind die Basis meiner Arbeit. Ich schreibe. Und schreibe. Und schreibe. Ich muss sorgfältig Worte wählen. Sensiblen Themen einen sanften Wortmantel geben. Schwierige Sujets in klar strukturierte Formulierungen fassen. Ich mag das. Ich mag es sehr, mit der Sprache, mit der deutschen Sprache zu spielen. Auf der Suche nach Synonymen trifft man Neues und Altes, schöne unbekannte Worte, die fast nicht mehr genutzt werden. Auch mal den Satz drehen, um ihm eine andere Betonung zu verleihen; mit einem richtigen Wort – und davon haben wir viele – Sachverhalte haarscharf zu beschreiben. Oder auch mal vorsichtig zu umschreiben.

Ich mag all das.

Daher freue ich mich auch sehr, wenn ich es privat schaffe, Menschen mit meiner Wortwahl zu berühren, anzustubsen, bei ihnen etwas auszulösen.

Denn das geht. Das geht gut – wenn man sich versteht.

Auf Entzug

Vor zehn Tagen saß ich zuletzt auf meinem schwarzen „Pferd“. Ich radelte von Langen nach Frankfurt und von Frankfurt nach Offenbach und von Offenbach nach Frankfurt. Seitdem bin ich nur noch kürzeste Strecken gefahren.

Der Schreibtisch ist voll mit Arbeit und auch der midi-monsieur ist wieder da. Ich bin einfach nicht dazu gekommen, mich auf mein Rad zu schwingen und eine (längere) Runde zu drehen. Und ich merke, wie es mit fehlt. Wie mir die Bewegung fehlt. Wie es mich unausgeglichen macht.

Und dann liegen hier auch noch die Klickpedale und die neuen Radschuhe. Aber ich komme nicht dazu beides zu montieren.

Ja, ich will schon wieder zu viel. Der midi-monsieur ist erst seit acht Tagen wieder da und wir mussten/ müssen uns beide wieder an einen Alltag miteinander gewöhnen.

Aber ich muss es schaffen, das Radfahren in den Alltag zu integrieren. Sonst werde ich auf kurz bis mittellang sehr unleidlich.